Unser Blogwichteln Geschenk

Nur wem schon einmal das lässliche Missgeschick passiert ist, im Gespräch mit einem Chinesen die Worte „Pferd“ und „Mutter“ verwechselt zu haben, kann ermessen, wie viel Mühe es bereitet, ein verlorenes Gesicht wiederzufinden. Wer also beabsichtigt, nach Guangzhou oder Chongqing zu ziehen oder beim nächsten China-Restaurant-Besuch seine Begleitung mit lässig dahingeworfenem Chinesisch zu beeindrucken, der sollte hurtig einen Sprachkurs machen.

Dank des weltweiten Internetzes und Kelly ist genau dies nun kostenlos möglich. Das Internetz wurde vor Urzeiten von einem Schweizer (oder in der Schweiz?) erfunden und läuft mittlerweile in der Version 2.0. Kelly (oder Kerry?) hingegen ist eine Chinesin, die bei einer deutschen PR-Agentur namens Storymaker arbeitet. Und dort kam man auf die Idee mit dem Chinesisch-Kurs. Sehr weit fortgeschritten ist man noch nicht und der interessierte Chinesischschüler sollte rudimentäres Englisch können, aber immerhin: drei Folgen gibt es bereits. Und das ist Kelly:

Kelly

Wie oben schon angedeutet, lernen wir in der ersten Lektion den Unterschied zwischen Mutter und Pferd sowie als Bonus das „Guten-Tag“-Sagen. Das ist in bestimmten Situationen sicherlich von Vorteil, denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob man zu einem Pferd „Guten Tag“ sagt oder zu einer Mutter. Wobei es durchaus Mütter gibt, die Pferde sind – und umgekehrt. Leider spricht Kelly diesen interessanten Fall nicht an.

In der zweiten Lektion erklärt uns Kelly, was nach dem „Guten-Tag“-Sagen kommt. Dann gilt es nämlich, sich seinem Gegenüber vorzustellen. Dazu muss man so etwas wie „Wooo Tiaaoo“ sagen und hinterher seinen Namen, zum Beispiel: Kelly. Sollte man allerdings gar nicht Kelly heißen, muss man „Wooo Tiaaoo“ sagen und dann seinen eigenen Namen, etwa „Klaus“. Wer nicht Klaus heißt, sagt eben Helga, sollte dies nicht zutreffen, dann eben Simon oder Rita oder Kevin oder Stinki oder wie auch immer einen seine Freunde nennen. An dieser Stelle wird Chinesisch ziemlich unübersichtlich und man wünscht sich, einen Esperantokurs gebucht zu haben.

Die dritte Lektion bringt uns unserem Ziel – der sprachlichen Eroberung eines Milliardenvolkes – ein riesiges Stück näher, denn nun geht es in die Offensive. Bisher weiß ja lediglich unser Gegenüber, wie wir heißen, die umgekehrte Information hingegen fehlt uns noch. Fragen wir also auf Chinesisch: „Wie heißen Sie?“ Das klingt etwas befremdlich wie „Ninguisin“, funktioniert aber laut Kelly todsicher und – zack! – schon wissen wir, dass unser Gesprächspartner zum Beispiel Klaus Li heißt. Oder Anna Li. Oder Franz Li. Das ist nicht weiter überraschend, denn viele Menschen auf der Welt heißen Li. Schließlich ist das der häufigste Nachname. Noch deutlich vor Maier. Dafür oder für irgendwas anderes – egal! – bedanken wir uns anschließend, denn der Chinese ist per se höflich. Dazu lernen wir, was danke heißt (sisi, kein Witz!) und versuchen dabei, nicht an das gleichnamige Lied zu denken.

Leider endet der Kurs hier abrupt, und seit Juli warte ich auf die Fortsetzung. Denn nun kann ich mich beim örtlichen Chinesen nicht mehr blicken lassen, seit ich versucht hatte, ein Gespräch über seinen Vater anzuleiern. Ich gehe davon aus, dass das Wort „Vater“ im Chinesischen ein Pendant hat, das weniger harmlos ist als „Pferd“.

Kelly: Hilfe!

9 Gedanken zu „Unser Blogwichteln Geschenk“

  1. Wichteliger Hinweis: Beim ersten und zweiten Videobeitrag müsste noch jeweils der „br“-Tag vor dem „type=application…“ eliminiert werden. Macht Kelly größer.
    W.

  2. Olli und ich haben unser „Geschenk“ zusammen geschrieben. Scheint wirklich gut angekommen zu sein beim Beschenkten, was wollen wir mehr 🙂

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