Germanys Next Feuchtgebiete

Ich bin ja dafür, dass Pro7 noch ein TopModel Special bringt. Das nennen sie dann Germanys Next PopModel. Ein Special über all die Topmodels, die während der Sendung auf der Strecke geblieben sind. Heidi erzählt ihnen und dem Publikum dann davon, was man denn so für Berufschancen hat, wenn man eben nur fast ein TopModel geworden ist. Oder besser: Gina-Lisa moderiert.

Dann kann sie ca. 20 Minuten lang ihr eigenes ambitioniertes Kurzfilmprojekt vorstellen und erklären, wie man sich in der Medienbranche auch als unerfahrenes junges Ding zurechtfinden kann. Die restliche Stunde wird der Film selbst und natürlich Werbung gezeigt. Vielleicht für Make-Up von dem anderen Model, das es auch nicht geschafft hat.

Im Film sieht man dann neben (und in) Gina-Lisa einen fetten Italiener, der mit der Fernbedienung in einer Hand die Kamera bedienen kann. Somit ist er gleichermaßen Schauspieler und Kameramann. Ein echtes Multitalent also, das sich Gina-Lisa da für ihre frische Karriere ausgesucht hat. Aber dem ist nicht genug, denn er scheint auch der Regisseur zu sein, der Gina-Lisa immer wieder Anweisungen gibt und ihr an Kopf und Haaren zieht, damit ihr hübsches Gesicht auch immer richtig im Bild ist. Einmal schlägt er ihr sogar in selbiges. Es ist hier wohl ein Rollenspiel, bei dem der Typ, naja, sich selbst spielt und Gina-Lisa… Mann/frau kann ja so schlecht aus der eigenen Haut. Zum Abschied sagt er dann noch, dass Gina-Lisa echt ’ne Drecksau ist – aber die geilste – und will wohl auch noch uns – den Zuschauer – ficken, ganz unverfremdet, unverhohlen, indem er mit seinem Pimmel gegen die Kameralinse läuft.

Vor ein paar Wochen hat der SPIEGEL die „neuen Feministinnen“ für sich als Thema entdeckt. Nicht nur werden hier selbstbewußte, starke und doch sehr emotionale und verletzliche Frauen präsentiert, die sowohl Beruf, Kinder, Kreativität unter einen Hut bringen, Judith Holofernes zum Beispiel oder die neue Trägerin des Deutschen Buchpreises Julia Franck. Das sind die etwas ernsthafteren. Zurückhaltender, was das Rampensaudasein betrifft. Auf der anderen Seite stehen die, die auch noch eine sehr erfolgreiche massenmediale Vermarktung hinbekommen. Allen voran Heidi Klum und Charlotte Roche. Heidi als deutsche Frontfrau im internationalen Model- und Muttergeschäft; für die gepflegte Oberfläche, retuschierte Fotos, den schönen Schein. Charlotte Roche präsentiert dagegen eher innere Werte; das Abgründige, the abject body. Eine Welt in der Popel und Vaginalschleim ebenso Daseinsberechtigung haben wie Hämhorrhoiden und Analfissur. So unterschiedlich diese extrem polarisierenden feministischen Ansätze auch sind, finden sie in der massenmedialen Verdauung der Pop-kultur – womit wir wieder bei Gina-Lisa wären – zueinander. Die Wahrheit liegt also irgendwo dazwischen. Irgendwo zwischen dem schön Herrichten, dem Schminken, mit der Kamera flirten und der Analfissur. Sie liegt mit Gina-Lisa im Bett und bedient die Kamera.

4 Gedanken zu „Germanys Next Feuchtgebiete“

  1. Mensch! Auf Spektakuell wird ja neuerdings geblogt oder gebloged oder geblogged.

    Hat mir sehr gut gefallen! Bloß weiter so.

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